Liebe Lilalotte,
es ist schwer sich vorzustellen, nun mit Deinen Brüdern, Kindern, Enkeln, Enkelinnen und Urenkelinnen und vielen Menschen, denen Du verbunden warst, zusammen in Gartow zu sein, im Chor zu singen, auf dem Meierhof zu sitzen ohne Dich. Denn eigentlich warst Du immer dabei, auf Deine besondere Art: ganz präsent, aufmerksam, sehr anteilnehmend, offen und unvoreingenommen. Man hat sich von Dir angenommen gefühlt, so, wie man war – ich denke, Du hast einen Wesenskern der Menschen wahrgenommen; das ganze Drumherum war Dir gar nicht so wichtig. So warst Du eine wichtige Anlaufstelle, man hat sich von Dir wertgeschätzt gefühlt.
Du warst auch charismatisch. Ich vermute, so hast Du Dich selbst gar nicht eingeschätzt, aber ich habe es oft erlebt, dass Menschen sehr angezogen waren von Dir und die Begegnung mit Dir als ganz besonders erlebt haben. (Vielleicht kein Zufall, dass ich ein Wort gewählt habe, das auch einen religiösen Bezug hat). Und auf Deine ruhige Art warst Du ein Mittelpunkt für viele Menschen, beständig, großzügig mit Deiner Liebe, mit Lob und Wertschätzung.
Ein bisschen geheimnisvoll warst Du auch! Wäre es für Dich wichtig gewesen, Deine Bedürfnisse und Meinungen stärker zu äußern? Viele Dinge hätte ich Dich gerne noch gefragt. Wir wollten uns alte und sehr alte Fotoalben anschauen und ich habe mir gewünscht, Deine Erinnerungen, Wahrnehmungen und Gedanken zu den Bildern zu erfahren.
Du hast in Deinem Leben viele Menschen beim Sterben begleitet; in den letzten Jahren musstest Du selbst von geliebten Menschen Abschied nehmen und hast sehr getrauert. Ich finde es tröstlich, dass Du umgeben von so viel Liebe und Fürsorge von der Erde gegangen bist, und, denke ich, mit dem Gefühl, das Leben jetzt auch loslassen zu können. Jetzt können wir nicht mehr mit Dir sprechen (und nicht mehr mit Dir musizieren). Ich bin darüber sehr traurig, aber ich bin auch froh, dass es Dich in unseren Gedanken und Gesprächen weiter gibt.
Deine Elise